Gehörlose Patienten


Seit 2009 habe ich, bereichert durch die Praxisgemeinschaft mit Savina Tilmann (HPP und Gebärdensprachdolmetscherin) auch verstärkt mit gehörlosen Patienten Kontakt.

Aus der Praxis:

Auf therapeutischer Ebene ist die Arbeit mit Klangschalen und anderen Instrumenten besonders interessant.

Meine gehörlosen Patienten reagieren ausgesprochen gut auf Klangschalen – da denkt man zunächst: “Wie denn, die hören ja nichts vom Klang.” Stimmt, aber gehörlose Menschen haben ein stärkeres Vibrationsempfinden, weil der Teil im Gehirn, der für die Verarbeitung von Tönen zuständig ist, in manchen Fällen praktisch als zusätzliches Vibrationszentrum umstrukturiert wird. Darum macht eine Frühförderung für gehörlose Kinder in diese Richtung Sinn.
Bei der Behandlung merke ich auch, wie wichtig Vertrauen hierbei im Besonderen ist, wenn die Patienten zum Beispiel in Bauchlage auf der Behandlungsliege sind. Die Gehörlosen leben in einer visuellen Welt und sind ohne Sichtkontakt noch mehr auf sich zurückgeworfen als jemand, der noch hört, was evtl. jetzt passiert, oder dem ich das einfach sage: “Vorsicht, jetzt wird es warm, kalt, fest, etc.” Dieses Vertrauen meiner gehörlosen Patienten ist ein Geschenk und ich gehe dementsprechend achtsam damit um.

So vereinbaren wir vor der Behandlung, mir auf bestimmte Art zu signalisieren, wenn etwas weh tut oder gut tut, um in Kontakt bleiben zu können. Da ich schon ein paar Gebärden für meinen Arbeitsalltag erlernt habe, erleichtert das die Behandlung und auch das Vertrauensverhältnis.
Die Tatsache, dass meine Praxispartnerin eine sehr gute Gebärdensprachdolmetscherin ist, erleichtert  meine Arbeit sehr. Natürlich kann ich mich auch, wie oben beschrieben, alleine oberflächlich verständigen, aber bei einer eingehenden Krankenbefragung oder gar homöopathischen Behandlung  ist das nur möglich, wenn man die gleiche Sprache benutzt.
Und dieser Vorteil ist auch in der psychotherapeutischen Arbeit meiner Partnerin enorm. Die Gehörlosen haben die Möglichkeit, 1:1 mit der Therapeutin zu sprechen. Sonst läuft Psychotherapie zu dritt Therapeut – Dolmetscher -  Patient…das kann kaum so wirksam sein wie das Gespräch direkt miteinander. Bleibt doch, wenn man übersetzt wird, immer ein kleiner Nachhall: “Waren das auch 1:1 meine Worte….?” Und ein Dolmetscher wird nur bezahlt, wenn es einen Kostenträger für die Behandlung gibt – das bedeutet bei Kassenzulassung. In anderen Fällen muss der Patient nicht nur die HP bzw. HPP Behandlung zahlen, sondern die Dolmetscherkosten zusätzlich aus eigener Tasche. Wer kann sich dann eine solche Therapie noch leisten? Und wie sinnvoll ist im Besonderen Psychotherapie mit einer dritten Person im Raum?
Darum haben wir in unserer Praxis speziell für gehörlose Patienten im Selbstzahlerbereich für HP- Leistungen Sonderkonditionen für die Dolmetscherleistung vereinbart. Für die HPP- Leistungen ist die Dometscherleistung ebenfalls inklusive.
Außerdem finden Veranstaltungen, wie Vorträge zu Gesundheitsthemen und Seminare, auch  simultan  in DGS statt.